Die geschichtliche Entwicklung des Schachbrettes

Das Schachspiel ist ein See,

in welchem eine Mücke baden

und ein Elefant ertrinken kann.“

Indisches Sprichwort

 

Das Schachspiel ist das älteste bekannte und heute noch aktiv gespielte Brettspiel der Welt.

Geschichtliche Nachweise gehen ins Indische des 3.-6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung (Christus Geburt).

Wenn es geschichtliche Beweise gibt, existieren natürlich auch mindestens genau so viele Vermutungen und Thesen, die Anderes behaupten wollen.

Fakt ist, wenn ein Spiel nachgewiesen wird, welches in einem so großem Land wie Indien 300 nach Christi bereits intensiv gespielt wurde, so gibt es dazu sicher auch schon eine sehr lange Vergangenheit.

Das Schach-Brettspiel

Die Entwicklungsgeschichte des Schachspiels
Modell

Diese Vorgeschichte könnte, wenn es nach dem Glauben einiger Forscher geht, ungefähr so ausgesehen haben:

In einer Zeit als es im Gebiet des heutigen Deutschland noch Sammler und Jäger gab und sich erste nomadische Siedlungen entwickelten, gingen die Männer noch zur Jagd, um ihren Stamm ernähren und gut durch den Winter bringen zu können. Das Feuer war schon zum Heiligtum erklärt, ohne dessen das blose Überleben schier unmöglich gewesen wäre. In Höhlen und kleinen dörflichen Siedlungen lebten die Menschen hier. Das Entfachen des Feuers war nur Könnern vorbehalten. Mit Feuersteinen, die aneinander geschlagen wurden, konnten Funken an den Zunder (eine Art Baumpilz, der extrem trocken ist) abgegeben werden, welcher dann anfing zu glimmen. Blies man dann noch vorsichtig gegen den schwelenden Zunder, hat man unter Zugabe von trockenem Stroh im Nu ein Feuer entfacht (für Papi´s mit kleinen Pfadfindern zum Nachahmen empfohlen). Damit konnte man sich vorallem wärmen, aber auch erste Speisen braten oder räuchern, um sie haltbarer zu machen. Die Jungsteinzeitmenschen (Ackerbau, seltenst Viehzucht) besiedelten Gebiete im heutigen Deutschland erst sehr spät, schätzungsweise vor ca. 4000 Jahren.

Zur selben Zeit, nur wenige 1000 km entfernt, soll es nach archäologischen Erkenntnissen schon Produktionsstätten zur Herstellung von Schachbrettern in Serie gegeben haben. Die gefundenen Bruchstücke, die auf ein Alter von rund 6 000 Jahren geschätzt werden, waren aus Kalkstein und hatten aufgeklebte Quadrate in zwei Farben und eine Größe von 4 x 4 cm (dieselbe Feldgröße haben unsere heute genutzten Turnierschachbretter auch).

Andere Wissenschaftler

vermuten, dass das Ursprungsland des Schachspieles weit nödlicher (Russland) oder östlicher (China) von Indien zu suchen wäre.

Brettspiele wurden auch im alten Ägypten auf Reliefs und Papyri oft dargestellt. Ein Relief am Torbau zu Medinet Abu aus der 20. Dynastie zeigt zum Beispiel Ramses III. mit einer Hofdame am Spielbrett sitzend.

Auf Papyrusrollen illustriert, bringt man es wieder mit dem Totenkult in Zusammenhang.

Entgegen der langjährigen Überzeugung

von Wissenschaftlern, das königliche Spiel wurde von den Griechen erfunden, konnte gerade im letzten Jahrhundert gegenteiliges bewiesen werden.

Bei den Iren soll das Schachspiel schon seit ihrem König Cahir-more (ca. 177 n. Chr.) bekannt gewesen sein, was darauf schließen lässt, dass das Schachspiel nicht unbedingt von den Arabern über den Seefahrtsweg nach Europa gebracht wurde. Einige Geschichtsforscher wollen diesem Brettspiel zwar nur einen Dame-ähnlichen Charakter zuerkennen, bedenkt man aber, dass der Turm dazumal bran hieß (übersetzt: Rabe -im indischen Vierschach) hieß, die Bezeichnung cosc für Schach ähnlich dem k-sh im Persischen, zwingt einem sicherlich einen Vergleich geradezu auf.

Zu dieser Zeit soll es auch noch keine Rochade und kein Matt gegeben haben, was zum Schluß kommen lassen darf, dass das Schachspiel noch vor den Neuerungen im Europäischen ins irische Reich gelangte. Auch der eigenständige Name Fidcill bestätigt die Vermutung von Wissenschaftlern, dass die Ankunft des Schachspiels von Indien, über Persien, Arabien, und Italien in die europäischen Länder so nicht gesetzmäßig sein muss.

Noch weiter zurück wirft uns der Fund eines Kelches, welcher bei Chiusi gefunden wurde und auf die Zeit ca. 600 v.Chr. datiert wird. Auf diesem Kelch sind zwei Herrscher (Zeptertragend) beim Spiel mit unterschiedlich geformten Steinen dargestellt. Hier schließt man auf das Schachspiel, als erstes und ältestes dargestelltes Brettspiel überhaupt.

Wurde das Schachspiel in Indien erfunden?

Dieser Kelch

Amphore, 6. Jhdt v. Chr.

wurde mitten in Europa gefunden und in Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen von Etruskern und Kelten gebracht. Während einer permanenten Ausbreitung der keltischen Kultur in Irland wurden offenbar nicht nur sprachliche Elemente sondern eben auch kulturelle Güter wie das Schachspiel mit übernommen.

Nun sind wir also bei den geschichtlichen Beweisen zum Ursprung des Schachspiels angelangt.

Trotzdem soll uns die Theorie „nur was beweisbar ist, ist auch existent“ ab und zu verlassen.

In der nachweisbaren 1. Entwicklungsetappe des Schachspiels gelangen wir nach Indien indie Zeit um etwa 300 - 600 Jahre nach Christi Geburt wo mit der Urform des Spiels gespielt wurde.

Tschatur-anga

Tschaturanga - Spielbrett
Die vierfache Schlachtreihe

 

In einem Wochenendseminar erkundete die Energietanke mit Schülern des Chemnitzer Schulmodells die Herkunft des Schachspiels und stellten aus Holz und Keramik ein derartiges indisches Tschaturanga nach.  

Zu viert gespielt machte es ungemein viel Spaß, nicht nur, weil das Spiel ausgewürfelt werden mußte, was das Schachspiel als Glücksspiel mausern ließ, sondern auch, weil die möglichen berechenbaren Spielzüge dann doch noch einige Überraschungen aufwarten ließen.

Im Thema „Die Entwicklung der Figuren“ erfahrt ihr einiges über die verwendeten Figuren zu damaliger Zeit.

Wie ihr am Bild unseres Tschaturanga's seht, stellen sich die vier Heere so auf:

Die gegenüberstehenden Heere sind befreundet und sind immer zweireihig an der rechten unteren Ecke aufgestellt. Wie im heutigen Schachspiel reihen sich auch im Tschaturnga die Fußsoldaten vor ihren Offizieren auf.

Im sogenannten Ur-Schach gab es natürlich keine Figuren wie es sie heute gibt, sondern typisch indische Vertreter. So kämpfte (ganz rechts in der Ecke stehend) kein Turm, sondern ein Kampfwagen oder Boot, daneben ein Reiter, weiter ein Elefant für den heutigen Läufer und ganz rechts der Grundreihe der König oder Feldherr.

Auch durften die Figuren nicht willkürlich gezogen werden, sondern durch einen altindischen Würfel bestimmt.

Für die Eins steht der Soldat oder nach Wahl auch der Elefant,

für die Zwei steht der Wagen / das Boot,

für die Drei steht der Reiter (Pferd) und

für die Vier steht der Feldherr/König.

Der Soldat darf nur ein Feld geradeaus ziehen und schlagen wie gehabt (schräg), der Elefant zieht gemächlich und wuchtig (heute der Turm) immer nur einen Schritt geradeaus,das Boot diagonal ins übernächste Feld (Übersetzen über den Fluß), das Pferd hatte damals, genauso wie heute, ab und zu Probleme mit seinen Reitern, also: ecküber ins dritte Feld! Der Feldherr zieht wie der heutige König ein Feld in jede Richtung. Der Feldherr kann geschlagen werden, schlägt man den befreundeten Feldherrn, wird dessen Heer übernommen. Wer alle Figuren vernichtet hat, gewinnt.

Zur Nachahmung empfohlen!

In der nächsten Phase

wird das Schachspiel von den Persern übernommen. Persien eroberte im 6. Jahrhundert u.Z. (ca. 570 n.Chr.) große Teile Nordindiens.

Die Legende erzählt: Drei indische Weise überbringen dem persischen König ein Schachspiel und auch Würfelspiele.

 

Von den Indern zu den Persern
Miniatur aus dem Schachbuch Alfon´s des Weisen

Tschatrang

So nannten die Perser das Spiel

und sie entwickelten es zum Zweischach weiter. Je zwei Heere vereinigten sich, der eine Feldherr wurde König (schah) der andere Feldherr wurde Wesir (firsan, dt.: Berater des König). Da der Wesir nicht besser gestellt sein durfte als der König, durfte er nur einen Schritt in schräger Richtung tun.

Und genau hier wurde (wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit) folgende Aufstellung vorgenommen:

Elefant (Turm), Reiter Streitross (Springer), Schiff (Läufer), Wesir (Dame), Feldherr (König) und weiter Schiff, Reiter, Elefant. Jetzt sollte jeder einmal versuchen ein Spiel in dieser Aufstellung mit den Zügen des alten Tschatur-anga zu spielen. Suuuperätzend langweilig!Und so empfanden es auch die Araber, als sie dieses Spiel kennenlernten. Die Araber eroberten 6 Jahre nach Mohammeds Tod im Jahre 638 Persien. Die Araber, oder aber auch schon die Perser, nannten das Spiel Schatrandsch (Schah – König) und es gibt keinen Würfel mehr (bei den Persern verzichtete man auch schon weitestgehend auf den Würfel). Die Spielregeln blieben dieselben.

Bis heute hat sich das Schachbrett und auch die Aufstellung der Figuren nicht verändert.

 

Zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert kamen in den Höfen der Kalifen auch schon erste „professionelle“ Schachspieler auf.

Irgendwann im 10 Jahrhundert gelangte das Schachspiel über die Seefahrtswege (Sizilien, Sardinien, arabisches Spanien und auch aus Zentralasien [einschließlich der Wikinger und Normannen] nach Europa.Wenn wir die Irland-These ausser Acht lassen, sollten wir annehmen, die erste europäische Station war Italien gewesen. Als sicher gelten jedoch die Neuerungen an der Gangart der Schachfiguren während der Renaissance (dt.: Wieder-aufleben; Wiedergeburt) in Italien. Im allgemeinen gilt diese Zeit als die wichtigste Kulturepoche seit Christ Geburt.

Und tatsächlich scheint sich um die Zeit des 12. Jhdt. alles verändert zu haben.

Bis auf einige Studien zur Vergrößerung des Schachbrettes und für wissenschaftliche Zwecke (Mathematik) wurden seither keine Neuerungen zum Schachspiel (bis auf die Gangart der Figuren, die aber in der Rubrik „Die Entwicklung der Figuren“ näher beleuchtet wird) eingeführt.